Das Sprechen ist die Grundlage für menschliche Kommunikation und somit auch ein Vorgang der zwischenmenschlichen Interaktion.

Julia ist wegen der gänzlich fehlenden Sprachentwicklung nicht in der Lage zu sprechen. Ihr alltagsbezogenes Sprach- verständnis ist wesentlich weiter entwickelt als ihre sprachlichen Ausdrucks- formen, welche leider über- haupt nicht vorhanden sind. Deshalb kann sie sich verbal auch nicht mitteilen. Sie unternimmt auch keinen Versuch, die Beeinträchtigung durch Gestik zu kompensieren. 

Für Julias Leben erachten wir es als eine grosse Bereicherung, wenn sie eine technische Unterstützung im sprachlichen Ausdruck bekommt. Wir sind uns bewusst, dass dies eine grosse und über Jahre dauernde Arbeit sein wird. Es erfordert ein grosses Mass an Einsatz, Zeit und Durchhaltewillen von allen Seiten (Eltern, Geschwister, Grosseltern, Freunde, Lehrpersonen und Therapeuten). Julia hat das grosse Glück, dass sie dieses Umfeld hat.

Beim ausführlichen Beratungs- gespräch durch die Firma Active Communication im März 2011 wurde Julia bei uns zu Hause besucht und die Situation gezielt abgeklärt. Dabei zeigte sich, dass Julia die motorischen Fähigkeiten besitzt, ein Kommunikationshilfsmittel zu bedienen und so über die Voraussetzungen für dessen Benutzung verfügt.

Wie würde es Dir gehen, wenn Du eine Frage hättest oder ein Problem, aber niemand da ist, der Dir zuhören kann? Welche Rolle spielen überhaupt Gespräche und Austausch mit anderen in Deinem Leben? Warum triffst Du dich mit Freunden, Familienangehörigen Kollegen oder Nachbarn? Warum ist es wichtig, im "Gespräch" zu bleiben? Was macht eine echte intensive Nähe zu einem anderen Menschen aus?
Mit Unterstützter Kommunikation kann einem Menschen ohne Lautsprache ermöglicht werden, sich endlich wieder auszudrücken und am Leben aktiv teilhaben zu können. Unterstützte Kommunikation setzt nicht bei einem äußeren sprachlichen Defizit an, sondern versucht herauszufinden, welche kommunikativen Bedürfnisse und Fähigkeiten bei dem Betroffenen vorhanden sind und wie diese erweitert werden können. Menschen, die sich nicht oder nur eingeschränkt ausdrücken können, bekommen Alternativen zur Lautsprache angeboten, damit die Verständigung für alle Beteiligten freudiger und effektiver wird und für den nichtsprechenden Menschen Partizipation, also Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, besser gelingt. Das Angebot der Unterstützten Kommunikation scheitert allerdings sehr oft daran, dass Krankenkassen und Invalidenversicherungen nicht bereit sind, die Kosten für Beratung und Förderung zu übernehmen.
Es wäre schön und wünschenswert, wenn in dieser Gesellschaft endlich auch einmal eine Lobby hinter Menschen stehen würde, die ein ganz großes Herz aber leider nicht die Fähigkeit haben, sich über Lautsprache mitzuteilen.